Dekane im Landkreis nehmen Stellung zu Antisemitismus

Angesichts des Wiedererstarken eines Antisemitismus inmitten unseres Gemeinwesens und antisemitischer Parolen auf mehreren Gebäuden in Ludwigsburg nehmen die Dekane der Evangelischen und Katholischen Kirche im Landkreis Ludwigsburg Stellung.

Ein Wort der Dekane der Evangelischen und Katholischen Kirche

im Landkreis Ludwigsburg

zum Wiedererstarken eines Antisemitismus inmitten unseres Gemeinwesens

Die neuesten Entwicklungen in Israel und Palästina machen uns tief betroffen. Viele Menschen dort leiden unter der sinnlosen Gewalt, die sich zum einen in einem dichten Raketenbeschuss durch die Hamas und zum anderen durch ein Bombardement der israelischen Armee im Gaza-Streifen zeigt.

Wir sind erschrocken und empört, wie Menschen, die in diesem furchtbaren Geschehen keine aktive Rolle spielen, zu Geiseln von Gewalt  werden und wie aufgrund dieses tiefen Konflikts zwischen dem Staat Israel und dem palästinensischen Volk weltweit, besonders aber auch bei uns, sich der Antisemitismus lautstark und gewalttätig gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und ihre Einrichtungen zu Wort meldet und sein menschenverachtendes Gesicht zeigt. Wir klagen an, wie durch einen wiedererstarkenden Antisemitismus sowohl das Grundgesetz (Artikel 3) als auch das uns Christen in Auftrag gegebene Gebot der Nächsten- und Gottesliebe mit Füßen getreten wird.

Wir wissen uns aufgrund unserer Vergangenheit des Nationalsozialismus mit seinen schrecklichen Folgen eines menschenverachtenden und unzählige Menschenleben fordernden Antisemitismus als Christen und Verantwortungsträger in der Kirche heute verpflichtet, Stellung zu beziehen. In dieser gegenwärtigen Situation zu schweigen, käme einer Zustimmung solcher wiedererstarkenden antisemitischen, menschenverachtenden und unsere freiheitliche Demokratie gefährdenden Stimmen gleich.

Wir können und wir wollen nicht schweigen und schließen uns den Worten von Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July an:
Wir maßen uns nicht an, eine Lösung für die komplizierten Probleme und den tiefen Konflikt zwischen dem Staat Israel und dem palästinensischen Volk zu kennen.
Die politischen Gegensätze der israelischen wie der palästinensischen Gesellschaft sind in demokratischen Prozessen zu klären – ohne dies ist Frieden nicht möglich.
Wir appellieren an alle Verantwortlichen, umgehend Verhandlungen über einen Waffenstillstand aufzunehmen, um die akute Bedrohung für alle Menschen im Land und den Autonomiegebieten zu beenden.

Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich einzusetzen für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Sprache, Herkunft, Religion oder Weltanschauung gleichberechtigt ist und in Freiheit leben kann.

Wir rufen zu einem gewaltfreien, aber unverkennbar eindeutigen Widerstand auf gegen jegliche Art von Ab- und Ausgrenzung anderer. Gänzlich untragbar sind verbale Entgleisungen und körperliche Attacken gegen Menschen. Antisemitische Parolen, die auf mehreren Gebäuden in Ludwigsburg zu lesen waren, beschämen uns. Mit allen unseren Möglichkeiten und Kräften setzen wir uns gegen ein Wiedererstarken des Antisemitismus ein.

In Fürbitte treten wir vor Gott ein für den Frieden in unserer Welt und Gesellschaft und in diesen Zeiten speziell für Israel und das palästinensische Volk.

Im Namen der Dekane der Evangelischen und der Katholischen Kirche im Landkreis Ludwigsburg
Eveline Kirsch (in Vertretung), Reiner Zeyher, Eberhard Feucht, Ekkehard Graf und Alexander König
 
Dekan Friedrich Zimmermann, Ditzingen

 

Die Stellungnahme als PDF zum Download