Kleine Galerie - Ludwigsburger Porzellan

Ab dem 9. September 2019 zeigen wir im Gemeindehaus Gartenstraße eine neue Bilderserie mit dem Titel

Ludwigsburger Porzellan

Echtes Porzellan war in Europa selten und musste bis ins 18. Jahrhundert aus Ostasien importiert werden. Aber schon im 17. Jahrhundert wurde in Europa mit der Erforschung des Porzellans begonnen: In Delft wurde die erste Manufaktur gegründet. Im deutschsprachigen Raum kam es 1708 zur Gründung der ersten Porzellanmanufaktur in Meißen. Schon zehn Jahre später folgten weitere nach: Wien, Höchst, Fürstenberg, Nymphenburg.

1729 wurden in Württemberg die ersten Versuche zur Porzellanherstellung unternommen. Dies scheiterte jedoch an technischen Schwierigkeiten und an nicht ausreichenden finanziellen Mitteln. 1758 endlich erließ Herzog Karl Eugen das Dekret zur Gründung. Das wurde die letzte der noch vom Rokoko geprägten Spitzenmanufakturen Europas. Dennoch waren die Anfangsschwierigkeiten weiterhin groß. Die Aufbereitung des Rohmaterials und auch die Brennöfen waren ungenügend. Endlich, nach vielen Fehlschlägen, wurde ein Fachmann: Josef Jakob Ringler an die Spitze des Unternehmens berufen. Seine Erfahrungen aus Meißen gab er allerdings niemals völlig preis. Aber nun konnten endlich auch die gestaltenden Künstler mit ihrer Arbeit beginnen. Nach wenigen Jahren kam bereits die Blütezeit. 1760 waren es schon 160 bis 180 Mitarbeiter, darunter viele Porzellanmaler. Eine besondere Stärke lag dann bei den figürlichen Darstellungen.

Für die Geschirrherstellung stellte man eigens einen Fachmann aus Meißen an, dem Ursprungsort der europäischen Porzellanherstellung. Später kamen andere noch dazu. Vom Rokoko ging es hinüber zum Klassizismus. Jedes fertige Stück erhielt sein Fertigungszeichen auf der Unterseite. Daran kann man heute noch den Ursprung erkennen. Die Ludwigsburger Manufaktur hat stets ein Auf und Ab erlebt. Nach künstlerischer Blüte folgte eine wirtschaftliche Krise nach der anderen, aber an der eigentlichen Qualität hat man stets festgehalten. Dennoch ist jetzt das Ende gekommen. Der Geschmack der Zeit hat sich verändert, Ludwigsburg war jetzt nicht mehr "modern" genug. Man brauchte rein weißes Porzellan wegen der neuen Spülmaschinen, damit die Farbe nicht beschädigt würde. Der Umsatz fiel ins Bodenlose. Ludwigsburg, eine der kleinsten aber dennoch bedeutendsten Manufakturen musste 2016 ihre Produktion wegen Zahlungsunfähigkeit aufgeben. Auch alle übrigen Manufakturen müssen jetzt um ihre Existenz kämpfen.

Ernst Kuhlo