Kleine Galerie - Bilder eines Arztes

Ab dem 3. Feburar 2020 zeigen wir im Gemeindehaus Gartenstraße eine neue Bilderserie mit dem Titel

Bilder eines Arztes

Ein Rentner hebt den müden Blick zu seinem Arbeitsplatz zurück.Wo er vor eben einem Jahr, nicht ahnend der Gefahr,die Arbeit hing an einen Nagel, berauscht vom Lob und Abschiedshagel. Nun war er endlich ein freier Mann, für den das Leben jetzt begann.

So beschreibt unser Arzt und Maler seinen Beginn als Hobbymaler. "Natürlich bin ich kein großer Künstler, aber aufgeschlossen für alles Schöne, in Landschaft und Blumenwelt und im Herzen mit der Sehnsucht, malen zu können wie Pissarro, Leibl, Monet, van Gogh, Cezanne oder Corinth." Anhänger moderner Kunst werden diese Bilder mitleidig lächelnd abtun, mit der Feststellung: "Brave realistische Pinseleien". Solche Äußerungen berühren mich jedoch nicht, denn ich weiß, dass die moderne, abstrakte Kunst in einer Sackgasse enden wird und wieder ganz vorne ansetzen muss. Der späte Expressionismus zeigt eine Regression ins Infantile, der Kubismus eine verklemmte sexuelle Symbolik, der Surrealismus ist eine Freilegung psychopathischer Ablagerungen, von den übrigen bis hin zur Postmoderne ganz zu schweigen. Diese morbiden Erscheinungen sind genauso bei der modernen Plastik, beim Theater, bei der Musik und in der Literatur zu finden. Nichts darf mehr harmonisch, geschmackvoll, sondern muss verschroben, ver-rückt sein. Es gibt jedoch Beispiele, die zeigen, dass diese Leute der Menschheit Dinge zumuten, die sie für sich selbst nicht haben wollen. Le Corbusier plante zum Beispiel riesige Wohnsilos mit nur 2,14 Meter Zimmerhöhe. Er selbst aber wohnte in einem französischen Schlösschen des 17. Jahrhunderts. Der bekannte, aufwühlend, aber gegenständlich malende Oskar Kokoschka sagte einmal: "Gegenstandslosigkeit ist eine Religion ohne Gott." Deshalb werde ich weiterhin, solange es mir vergönnt ist, gegenständliche Bilder malen von allem, was sich meinen Augen festzuhalten lohnt. Am 25. Oktober 1997.

Ernst Kuhlo