Die Orgel der Georgskirche

Nicht von Anfang an hatte unsere Georgskirche eine Orgel. Eine erste Orgel wurde 1693 beim Franzoseneinfall zerstört.

Auf Betreiben von Pfr. Cucuel wurde eine neue Orgel vom Orgelbauer Schmahl, Heilbronn gekauft. 1848 musste sie entfernt werden, weil sie nicht mehr repariert werden konnte.

lm August 1850 beschloss dann der Gemeinderat und ein Bürgerausschuss, wieder eine Orgel anzuschaffen. Dabei stieß man auf ein interessantes, wenn auch nicht neues Werk der Orgelfabrik Walcker: das Erstlingswerk ihres Gründers und später berühmten Orgelbauers Johann Eberhard Walcker aus dem Jahr 1782. Sie war 65 Jahre in der heutigen Katholischen Stadtkirche in Ludwigsburg gespielt worden. Die Orgel wurde für 1.322 Gulden gekauft, nachdem man sie um zwei weitere Register auf dann 13 Register erweitert hatte. Für das Instrument begann nun eine bewegte Geschichte in Schwieberdingen.

Die Orgel braucht zum Erklingen Luft (in der Fachsprache Wind), so mussten (meist Kinder) das Orgeltreten beim Üben und Spielen übernehmen. Dabei waren 2 große Tretbalge zu bedienen. Es gab manchmal Ärger, weil bei unregelmäßigem Treten die Orgel anfing zu wimmern. Später nahm ein Orgelmotor diese Arbeit ab. Als ich (Paul Pflugfelder) 1953 zu unserer Orgel kam, fand ich noch eine Aufschrift an der Orgel: „lch J.K. (nicht gut lesbar) habe am Sonntag im März 1923 die Orgel gedappt“.

Im Mai 1944 sollten Pfeifen unserer Orgel zu Kriegszwecken enteignet werden. Ein Gutachten der Fa. Walcker konnte das verhindern. 1949 teilte das Württembergische Landesamt für Denkmalpflege unserem Pfarramt mit, dass das Orgelgehäuse in das Denkmalverzeichnis aufgenommen worden sei.

1953 wurde eine größere Reinigung unserer Orgel notwendig, denn der Holzwurm hatte sich eingenistet. Dabei wurden drei nicht mehr verwendbare Register ausgetauscht. Ein völliger Umbau aber erfolgte 1964/65. Anlässlich der großen Renovierung unserer Kirche wurde die ganze Orgel in die Pfarrscheuer ausgelagert. Es gab auch Überlegungen, sie zu verabschieden. Wir sind heute froh, dass man sich für das alte Werk entschied. Man drehte den Spieltisch und baute ein zweites Manual ein, so dass unsere Orgel 25 klingende Register und ein Tremulant hatte. So glaubte man, den Orgelumbau weitestgehend abgeschlossen zu haben. Es stellte sich aber im Lauf der darauffolgenden 20 Jahre heraus, dass das Register „Mixtur“ sehr störanfällig und kaum zu spielen war. Eine Stimmung und lntonierung wurde durch die Schwäche des Materials schwierig. Zwei weitere Register (Cimbel und Baßzink) hatten ähnliche Mängel. Verständlich der Wunsch, nach einer klanglichen Verbesserung.

Bei einem Werk dieser Größe fehlte der Zungenklang. So entschied man 1986 die beiden Register Cimbel und Baßzink zu ersetzen und den beiden Manualen und dem Pedal je ein Zungenregister zuzuordnen. Diese drei Zungenregister wurden auf den alten Klangbestand gut abgestimmt. Außerdem wurde die Mixtur erneuert. Durch diese Änderungen erklang die Orgel wieder in festlichem Glanz.

Im Sommer 2016 wurde von der Fa. Mauch, Schwäbisch Hall, die wieder erforderlich gewordene Reinigung und Restaurierung unserer Orgel durchgeführt. Diese Arbeiten zur Erhaltung und Pflege wurden sehr sorgfältig und fachgerecht ausgeführt. Gleichzeitig konnte noch einmal eine klangliche Verbesserung erfolgen: Im Pedalwerk wurde das schlecht zugängliche Register „Hintersatz“ durch eine „Quinte 5 1/3' “ und die „Flöte 4' “ durch eine „Trompete 8' “ ersetzt.
Selbstverständlich wurden alle Veränderungen in Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen Professor Lutz unserer Ev. Landeskirche abgestimmt. Er stellt fest: „Zusammen mit den vorhandenen historischen Registern ist eine klangliche Optimierung sehr gut gelungen. Diese beiden Register geben dem Pedal mehr Fundament und einen homogenen Gesamtklang mit vielen Varianten“. Unsere Orgel hat sich damit nun so entwickelt, dass sie nicht nur Begleiterin des Gottesdienstes ist, sondern auch sehr beliebt als Konzertorgel.
Erstaunt und sehr erfreut sind wir über das vielfältige Interesse in unserer Gemeinde und sind dankbar für die große Unterstützung und Spendenbereitschaft. Nur durch diese rege Beteiligung war die umfangreiche Sanierungsmaßnahme möglich.

Den Werdegang der Orgel konnte Paul Pflugfelder seit 1953 verfolgen und begleiten. Und wir Verantwortlichen freuen uns und sind sehr dankbar für alles, was und wie gut es gelungen ist und die Kosten gemeistert wurden. Wir hoffen, dass unser historisch wertvolles Instrument allen weiterhin viel Freude bereitet beim Feiern der Gottesdienste, beim Musizieren und bei Konzerten.

Paul Pflugfelder, Gerd Grass, Waltraud Drühe, Pfarrer Erdmann Schlieszus

Flyer mit weiteren Infos zur Orgel

Wenn Sie für den Erhalt der Orgel spenden möchten, können Sie auf das Konto der Ev. Kirchengemeinde Schwieberdingen unter dem Stichwort „Orgel Georgskirche“ spenden:
VR-Bank Asperg-Markgröningen eG, IBAN: DE88604628080070478007, BIC: GENODES1AMT

Wenn Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen haben, dürfen Sie gerne auf die Mitglieder des Kirchengemeinderats zugehen.

Ganz herzlich bedanken wir uns für die eingegangenen Spenden für die Instandsetzung der Walcker-Orgel in Höhe von 33.409 €! Ein besonderes Zeichen für die Erhaltung der Orgel – so kann Gottes Lob mit einer Klangfarben-Vielfalt weiterhin erklingen.

Waltraud Drühe, 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats
Pfarrer Erdmann Schlieszus, Vorsitzender des Kirchengemeinderats